Workshop: Agile Appetizers – Agilität beginnt bei Dir!

Ich weiß nicht, wie es Euch geht, aber ich habe momentan das Gefühl, ich könnte jeden Abend an zig unterschiedlichen Workshops und Formaten zu den diversesten HR-Themen teilnehmen, alle spannend, alle reizvoll, aber am Ende lässt die Zeit es halt nicht zu, sich überall einzuwählen. Das hat dazu geführt, dass ich mir sehr genau anschaue, was wirklichen Mehrwert für mich bietet. Beim „Agile-Appetizers“-Workshop, gehosted von Jess Koch von den hr pioneers, brauchte ich jedoch nicht lange zu überlegen. Nachdem er mehrfach ausgebucht war, habe ich für den vorerst letzten Workshop gestern Abend bei ihm einen Platz ergattert … das fühlte sich fast an wie früher beim Kauf von Konzerttickets für Ed Sheeran.

Warum gerade dieser Workshop? Eigentlich kennen wir doch alle das Buzzword der Agilität, wissen, wie notwendig es für Organisationen ist, anpassungsfähig und kundenzentriert zu sein und haben schonmal mit Post-its ein Kanban-Board gebaut. Ich für meinen Teil hatte aber noch nie die Gelegenheit, mir von einem Profi das Konzept wirklich mal vollumfänglich erklären zu lassen noch hatte ich besonders viele Berührungspunkte mit agilen Methoden und Tools in der Praxis – meine Neugierde war daher um so größer!

Normalerweise umfassen die Inhalte von Jess‘ Workshop einen ganzen Tag – wir hatten gestern Abend nur einige Stunden. Diese aber waren ausreichend, dass sich mein Verständnis von agil immerhin von „naja“ zu „aha“ gewandelt hat! Für mich als notorische Schnellrednerin hat er die knapp 4 Stunden übrigens mit einer bewundernswerten Sprechgeschwindigkeit und Rhetorik moderiert.

Theorie, puh, muss ich? Oh, wait!

Nach Intro, Organisatorischem und einem kurzen Kennenlernen („Welchen Film habt Ihr zuletzt gesehen?“ – die 16. Staffel von Grey’s Anatomy ist übrigens online!) haben wir zunächst die Treiber von Agilität betrachtet:

  • Technology Shift, Digitalization & Networking
  • New Business Models und New Players
  • Increased Market Transparency
  • Value Shift
  • Vuca (Cynefin)

Wie jetzt – theoretische Grundlagen? Ich dachte, wir malen was, planen was, lernen fancy neue Wörter?! But wait, anscheinend muss man erstmal das (neudeutsch) agile Mindset verstehen und verinnerlichen, um Botschafter für Agilität zu sein. Das war meine erste große Erkenntnis – agiles Arbeiten bedeutet so viel mehr als die ganzen Begriffe, die man damit verbindet – und ist zudem (zweite große Erkenntnis) eng mit der Rolle und dem Selbstverständnis von HR verbunden. Also starteten wir erstmal einen kleinen philosophischen Diskus darüber, wie sich HR und die Arbeitswelt in den letzten 10 Jahren verändert haben. Wer sind eigentlich unsere Kunden? Was prägt unsere Arbeit heute im Vergleich zu früher? Und wie steht es um das (gefühlt übermächtige) Thema der Digitalisierung im HR? Speaking of… Jess hatte ein extrem umfangreiches Miro-Board vorbereitet, um uns durch die Inhalte und den Abend zu geleiten. Damit zu arbeiten hat viel Spaß gemacht!

Weiter ging es mit einem Blick auf das magische, agile Dreieck, begleitet von einem kurzen Exkurs zum Agilen Manifest („Die Diskussion darüber ist das Entscheidende“):

Schnell wurde uns Teilnehmer:innen klar: Agil sein heißt aktiv zu sein, mitzumachen, bei etwas Großem dabei und trotzdem geduldig zu sein. Aber nicht um jeden Preis und nicht zum Selbstzweck (Thema Akzeptanz in der Organisation!). Agile Methoden, egal in welcher Ausprägung, müssen zur Organisation passen und nicht jeder arbeitet in einem Software-Startup. Aber auch kleine Schritte in Richtung Agilität zu unternehmen ist spannend und eröffnet neue Möglichkeiten.

Cynefin-Framework – agile Buzzword for Beginners!

Weiter ging es im Inhalt: Bei einem Workshop zu diesem Thema durfte laut Jess keinesfalls das Cynefin-Framework fehlen, ein Wissensmanagement-Modell mit der Aufgabe Probleme, Situationen und Systeme zu beschreiben und einen Weg zur Lösung von Herausforderungen zu finden. Spoiler: In unserer komplexen Welt ist dabei das iterative Vorgehen in kleinen Schritten die beste Wahl. Mehr dazu in ungefähr 1 Mio. Google-Ergebnissen.

Die Leidenschaft für das Thema war bei Jess komplett spürbar, als er erklärte, dass es wir Menschen sind, die die Dinge mitunter erst so komplex machen. Wir verstecken uns gerne hinter Prozessen, hinter dem viel zitierten „historisch gewachsenen“, weil es auf uns vorhersehbar wirkt und damit kontrollierbar. Heutige Anforderungen an Organisationen und Personen werden jedoch immer komplexer und immer mehr, der dahingehende Wertewandel in Unternehmen ist schon seit geraumer Zeit sicht- und erlebbar und kann nicht ignoriert werden. Agiles Handeln bezeichnete er dabei nicht als Allheilmittel, sondern als eine Möglichkeit, diesem Wandel zu begegnen.

Let’s play together – Praktische Anwendung agiler Prinzipien

Ganz praktisch angewandt wurden die Prinzipien von Agilität am sog. „Taschenrechnerspiel“. Hier galt es, in der Gruppe in insgesamt vier Versuchen, ein Ziel zu erreichen. Gewonnene Erkenntnis (Überraschung!): Man kann aus der Gruppe heraus erfolgreich agieren, wenn man einen Weg findet, um vom Chaos in die Lösungsorientierung zu kommen. Wege um besser zu werden, werden dabei in und vor der Gruppe entwickelt und kleinere, sich wiederholende (Zauberwort: iterativ!) Schritte erlauben Veränderungen und Verbesserungen kurzfristig umsetzen. Das ist nichts anderes als die Anwendung grundlegender agiler Prinzipien – so herrlich einfach und so herrlich effektiv. Und sehr motivierend!

Fazit

Der Abend endete mit einer Diskussion und einem Appell von Jess: Agilität fängt bei jedem selbst an! Es geht um Transparenz und Sichtbarkeit, ums Teilen statt Verstecken, ums Fehler offenbaren statt Kaschieren. Agile Werte und Prinzipien können auch in kleinen Dosen viel bewirken – einfach mal ausprobieren und die eigenen Denkmuster hinterfragen.

Das war ein toller Austausch nicht nur zu dem Thema, sondern auch zur Daseinsberechtigung und Wahrnehmung von HR. Damit war der Abend anschlussfähig auch für Leute, die bislang nicht viel mit dem Thema Agilität zu tun hatten (sollte der Workshop also nochmal stattfinden: anmelden!)

Ich für meinen Teil habe jetzt nochmal ein anderes Bewusstsein dafür entwickelt, was hinter dem Begriff der Agilität eigentlich steckt, welche Chancen und Möglichkeiten (aber auch Grenzen) Agilität haben und welche Treiberrolle HR dabei einnehmen kann!

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