Diversity – Mehr als nur ein Trendwort

Diversity ist in den letzten Jahren in aller Munde. Für viele zu Beginn nur als Hype, entwickelt es sich zu einem wichtigen Beitrag der gesellschaftlichen Entwicklung. Ursprünglich ging es bei Diversity Management darum, Diskriminierung zu vermeiden und Toleranz zu fördern. Heute haben Unternehmen erkannt das Diversity noch viel mehr ist: Es führt zu einem starken Wettbewerbsvorteil und ist durch Globalisierung, demografischen Wandel und Digitalisierung zu einer Notwendigkeit geworden. Es gehört zur Normalität, dass Menschen verschiedener Generationen, unterschiedlicher Kulturen und Nationalitäten in einem Unternehmen und in einem Team arbeiten.

Hinzu kommt, dass kein Lebensentwurf eines Menschen, dem des anderen gleicht. Wir alle haben diverse berufliche Laufbahnen, unterschiedliche Schulabschlüsse, stammen aus anderen Elternhäusern und haben verschiedene Vorprägungen. All das und noch viel mehr, macht uns zu einzelnen diversen Individuen, zu dem Menschen, der wir heute sind. Es wird für Unternehmen in Zukunft umso wichtiger, diese Vielfalt aktiv zu nutzen.

Die Diversity Dimensionen

Das vierstufige Modell „4 Layers of Diversity“ von Gardenswartz und Rowe (siehe Abbildung) hilft uns zu verstehen, welche Unterschiede und Gemeinsamkeiten den Menschen ausmachen und von welchen er in einer Organisation beeinflusst wird. Mit dem Model werden unterschiedliche Dimensionen greifbar. Im Zentrum des Models steht die Persönlichkeit, umgeben von nahezu unveränderbaren Kern-Dimensionen wie Alter, Geschlecht & geschlechtliche Identität, ethnische Herkunft & Nationalität, körperliche & geistige Fähigkeiten, Religion & Weltanschauung, sexuelle Orientierung und soziale Herkunft. Neben den Kern-Dimensionen gibt es noch äußere und organisationale Dimensionen. Dies sind Dimensionen, die beeinflusst und somit veränderbar sind, sei es durch ein Individuum selbst, die Gesellschaft oder eine Organisation. Je weiter eine Dimension vom Kern des Modells entfernt ist, umso flexibler und wandelbarer ist sie. Während Diversitätsmerkmale wie Alter, Geschlecht und Hautfarbe eine sichtbare Wahrnehmung erfahren, sind Diversitätsmerkmale wie z.B. kulturelle Herkunft oder Religion/Weltanschauung, familiäre Situation oder körperliche & geistige Fähigkeiten, oftmals unsichtbar. 

Abbildung frei nach Gardenswartz und Rowe: „4 Layers of Diversity“ von https://www.charta-der-vielfalt.de/diversity-verstehen-leben/diversity-dimensionen/

Bewusstmachung von Wahrnehmungsverzerrungen

Um diese sogenannten oft unsichtbaren Diversitätsmerkmale zu erkennen und vorschnelles Urteilen zu vermeiden, müssen wir uns sogenannten Unconsicous Bias bewusstwerden. Der Begriff Bias kommt aus dem Englischen und beschreibt kognitive Verzerrungen wie z.B. automatische Stereotype oder andere fehlerhafte Neigungen beim Wahrnehmen, Erinnern und Beurteilen. Da Bias oft unbewusst auftreten werden sie Unconscious Bias genannt. Viele unserer Bias lassen sich aus der Evaluationstheorie ableiten.

Wir Menschen stecken die Welt in Schubladen, um schneller auf neue Informationen reagieren zu können. Dabei helfen uns z.B. Stereotype. Als Stereotyp bezeichnet man unvollständiges Wissen über eine bestimmte soziale Gruppe. Sie sind neutrale Erwartungen und Vorstellungen, wie sich Mitglieder einer Gruppe verhalten, wie sie sich kleiden, aussehen und welche Fähigkeiten sie haben. Ein Stereotyp ist die Basis eines Vorurteils, jedoch selbst noch keines. Ein Stereotyp kann durch eine Vielzahl von Reizen aktiviert werden und beeinflusst dann mit hoher Wahrscheinlichkeit unsere Wahrnehmung, unsere Urteile, unsere Erinnerungen und unser Verhalten. Die Stereotypaktivierung kann dann zu Unconscious Bias führen. Da Unconscious Bias aufgrund unbewusster aktivierter Stereotype entstehen, ist es umso schwieriger, diese zu kontrollieren und unbewusste Diskriminierung zu vermeiden. Die unbewussten Diskriminierungen können nicht nur auf individueller, sondern auch auf organisationaler Ebene stattfinden z.B. in Recruitingverfahren und Personalbeurteilungen. Daher ist es umso wichtiger, der Wirkung von Unconscious Biases bewusst zu werden. Nur so können diese blinden Flecken aufgespürt, hinterfragt und reduziert werden. 

Erfolgreiches Diversity Management im Unternehmen 

Um Chancengleichheit in Unternehmen gewähren zu können, muss der Blick sowohl auf Unterschiede als auch auf Gemeinsamkeiten struktureller Benachteiligung gelenkt werden. Ziel von Unternehmen muss es sein, durch ein erfolgreiches Diversity Management eine Unternehmenskultur der Offenheit und der Toleranz gegenüber allen Mitarbeitenden zu schaffen. Es gilt, die Unterschiedlichkeiten wertzuschätzen und diese als Chance im Miteinander zu sehen. Eine wertschätzende Unternehmenskultur, die niemanden ausschließt und allen die gleichen Chancen bietet, schafft bei allen Mitarbeitenden Zufriedenheit und reduziert Fluktuation. Es entsteht eine produktive Arbeitsatmosphäre, die Innovationkraft und Leistungsbereitschaft wächst. Das Arbeitgeberimage wird gesteigert, es ermöglicht ein erfolgreiches Recruiting und fördert die Mitarbeitendenbindung.

Aber auch der Teamarbeit kommt Diversity zugute: Durch unterschiedliche kulturelle Hintergründe und Lebenserfahrungen eines jeden Teammitglieds kommen viele verschiedene Perspektiven zusammen, außergewöhnliche Ideen werden generiert und Innovationen vorangetrieben, Vorurteile werden abgebaut, die Loyalität und Arbeitsmotivation werden gesteigert. 

Diversity ist also mehr als nur ein Trendwort, sondern Förderung von Chancengleichheit, Abbau und Vermeidung von Diskriminierungen, Nutzung von Vielfalt als Ressource und Chance und Schaffung einer Atmosphäre des respektvollen und gemeinschaftlichen Miteinanders.

Tipp: Macht den Diversity Check im Team 

Stellt euch in einer Reihe auf und blickt alle in die gleiche Richtung. Nun stellt nacheinander Fragen wie z.B. alle sind weiblich, alle stammen aus Deutschland, alle haben studiert. Beantwortet ihr jede der Fragen mit Ja, geht für jedes Ja einen Schritt nach vorne, bei Nein bleibt auf der Stelle stehen. Ihr könnt beliebig viele Fragen stellen. Nach ca. 10 Fragen macht den Check, wie divers eurer Team ist. Steht ihr alle noch in einer Reihe? In der Remote-Version könnt ihr auch beliebig viele Fragen in einen Teams-Chat schreiben und die Kolleg:innen signalisieren durch Liken ihre Zustimmung. 

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